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Gran Canaria
Zugriffszähler seit 14.11.2002 / 2.06.2008 Hier ein Reisebericht des Webmasters
Canaria Fata Morgana Gran Canaria | i | 
| | Überwintern auf den Kanaren! Schwärmten davon nicht schon viele Leute? „Andere heizen – wir fliegen in den Süden!“ So ähnlich las ich es kürzlich noch von den Plakatwänden. Immer reizten mich schon die „glücklichen Inseln“ im Atlantik auf der Höhe der Sahara. Nun bot sich die Gelegenheit, dort auch mal im tiefsten Winter den ewigen Frühling zu genießen. Reisehandbücher und Karten besorgen! Warum finde ich keine Karten mit Wanderwegen? Warum ist im Reiseführer nur von geführten Wanderungen die Rede? Mir fiel ein, dass es ja auf Mallorca auch kaum ausgeschilderte Wanderwege gegeben hatte. Also, mitteleuropäische Vorstellungen und Ansprüche herunterschrauben! Es ist im Reiseführer ja von alten Hirtenwegen die Rede. Vielleicht tun die es ja auch. Über
das Internet finde ich diverse Informationen über die Inseln, sogar ein
Hotel im Hinterland im altspanischem Stil mit Heizung und Schwimmbad
fernab vom Massentourismus. Die Anfrage per Fax ergibt postwendend eine Antwort. Es sind zum gewünschten Termin noch Zimmer frei. Also, wer fliegt am günstigsten? Die Flugpreise variieren beträchtlich! Air Berlin bietet Hin- und Rückflug pro Person für 399 DM plus Nebenkosten. Das lässt sich doch hören! Buchen wir den Rückflug vorsorglich zwei Wochen nach der Anreise, verlängern können wir ja immer noch! Nach
den Wetterinformationen im Internet ist mit Temperaturen um 20 ° C
statt des inzwischen bei uns üblichen Frostes zu rechnen. Also werden T-Shirts, kurze Hosen, leichte Westen eingepackt. Strickjacke, Pullover? Darin kommt man bei den Temperaturen doch um! Nur nicht so viel mitschleppen! Schließlich ist das Fluggepäck beschränkt. Unsere Maschine startet bei Dunkelheit in Fuhlsbüttel. Die Lichter Hamburgs in der noch frühen Morgenstunde bleiben unter uns zurück. Über Bremen, die Niederlande, Belgien und Nordfrankreich, die Biskaya, Nordspanien und Portugal geht es west- und südwärts. Nach 3.000 km liegt 10.000 Meter unter uns Lissabon an der breiten Wasserfläche des Tejo in der Sonne. Weitere 1.000 km geht es noch über den Atlantik südwärts. Die Angst meiner Frau vor dem Flug erweist sich als unbegründet. Sie erträgt ihn besser, als zuvor befürchtet. Nach
dem Sinkflug können wir Gran Canaria unter uns sehen: Hohe kahle Berge
und an der Küste ein tristes graues Braun mit wenig Vegetation,
Pflanzungen unter graubraunen Plastikplanen verborgen. Nach 4 ½ Stunden landet die Boing 787 auf dem Aeropuerto de Gando auf der Ostseite der Insel. Sommerliche Wärme flutet uns entgegen, als wir aus der Maschine kommen. Ich miete für zunächst eine Woche einen Leihwagen. Als die Koffer verstaut sind, stellt meine Frau entsetzt fest, dass Ihre Handtasche mit den Papieren fehlt. Panik bricht bei uns aus. Wir haben jedoch Glück: Eine Flughafenbedienstete hat die Tasche sichergestellt! Auf
der Autobahn fahren wir nördlich in Richtung Telde, von wo aus wir in
westlicher Richtung ins Landesinnere in Richtung Valsequillo abzweigen
müssen. An den von den Touristen befahrenen
Straßenabschnitten um den Flugplatz herum hat man die hässlichen
Ausblicke auf die sehr karge und teilweise durch menschliche
Zivilisation verschandelte „Landschaft“ mit Potemkinschen Dörfern aus
Palmen und Blumenschmuck zu verdecken versucht. Unser Ziel, das Hotel Rural El Pinar in Tenteniguada liegt doch erheblich höher in den Bergen, als ich vorher vermutet hatte. Als wir aus dem Auto aussteigen, sind wir über die frische Kühle dieser Gegend erstaunt. Schon nach kurzer Zeit merken wir, dass wir dafür kleidungsmäßig gar nicht eingerichtet sind. Die
uns zugewiesenen Zimmer in dem antiken altkanarischen Hotel sind noch
kühler und haben eine hohe Decke, sind also mit den kleinen im Zimmer
vorhandenen beweglichen Elektroradiatoren (im Internet-Prospekt
„Heizung“ genannt) kaum warm zu kriegen. Ein erster Spaziergang durch einen kleinen hoteleigenen Park und angrenzende Plantagen endet bald in einer Sackgasse. Bei
einer anschließenden kleinen Autotour mit dem Mietwagen, mit dessen
Heizung wir uns aufzuwärmen versuchen, stellen wir fest, dass wir
nirgends Wanderwege finden. Die Berghänge sind sehr steil. Auf Klettertouren sind wir nicht eingerichtet. Die engen kurvenreichen Straßen bieten kaum Halte-, noch Parkmöglichkeiten. Beim Abendessen brennt zwar der Kamin, wärmt aber nur, wenn man direkt davor sitzt. Beim Frühstück am nächsten Morgen ist der Raum so kalt, dass wir erbärmlich frieren. Andere
deutsche Touristen im Hotel erzählen, die von ihnen versuchte Wanderung
sei äußerst strapaziös und auf Rollsplitt sehr riskant verlaufen. Meine Frau will sofort zurückfliegen. Telefonisch ist eine Umbuchung des Fluges erst in einer Woche möglich. Alle früheren Flüge von Air Berlin sind ausgebucht. Wir packen unsere Sachen und fahren zum Flughafen. Auch andere Fluglinien haben keinen früheren Rückflug frei. So
suchen wir unser Glück im Süden der Insel, wo es erheblich wärmer ist,
aber wo wir uns auch mit dem Massentourismus abfinden müssen. Hotelburgen
an Hotelburgen in jedem Ort der Südküste, oft steil an die Felswände
geklatscht und mit etwas Grün dekoriert, begegnen uns nach fast jeder
Straßenkehre in jeder Meeresbucht. Wir
landen in Porto de Mogan, dem südwestlichsten Touristenort Gran
Canarias, in dem der Massentourismus noch gerade erträglich zu sein
scheint. Unser Beweglichkeitsdrang ist jedoch erheblich eingeschränkt. Um
das mit Segelbooten und Luxusyachten aus Deutschland, England,
Frankreich, Schweden, Dänemark, Norwegen, USA und Australien sowie
einheimischen Fischkuttern ausgefüllte Hafenbecken herum kann man nur
wenige hundert Meter lustwandeln. Ansonsten sitzen wir wie im Gefängnis. Rings herum hohe kahle triste Vulkangesteinfelsen. Eine
Straße in den Nachbarort über die Berghöhe hinweg liegt tagsüber in
Gluthitze, so dass sie faktisch nicht bewandert werden kann. Um
den kleinen Jacht- und Fischerhafen von Porto de Mogan herum sind die
Apartments und Restaurants gruppiert: Eine künstliche Oase in der
Wüstenlandschaft, mit Palmen und vielen rankenden Blumen dekoriert. Für einen kurzen Besuch zwar ganz nett anzusehen, aber kein Ferienort für uns mit unserem Bewegungsdrang. Die
vielen übergewichtigen halbnackten Touristen, die von morgens bis in
die Nacht hinein von einem Restaurant ins nächste Café schlendern, mag
diese Urlaubsform vielleicht interessant sein. Wir
sind hier völlig fehl am Platz, sitzen sechs Tage wie in einem
Gefängnis und warten, dass es endlich Sonntag wird und wir abfliegen
können. Bevor morgens um 8.30 Uhr die Sonne hinter dem Felsen hervorlugt, ist es empfindlich kühl. Das Frühstück wird in dem Hotel auf einer offenen zugigen Terrasse hinter einer Glaswand unter Markisen angeboten. Die Speisen und Säfte des Frühstückbüfetts kommen direkt aus der Kühlung. Das Rührei ist halb kalt. Nur das Teewasser aus dem Getränkeautomaten ist warm, schmeckt aber wie alles Leitungswasser stark nach Chlor. Die
Gasse vor unserm Appartement ist zwar autofrei, jedoch kann es durchaus
sein, dass spät am Abend oder in der Nacht jugendliche spanische
Mopedfahrer ihren Tatendrang mit dem aggressivem Aufheulen des Motors
zu sublimieren versuchen oder angetrunkene Touristen lärmen. Mitten in der Nacht stapft womöglich eine Appartementbewohnerin über uns mit Söckelabsätzen laut die Fliesentreppe hoch. In unserem Appartement gibt es nur in der Küche eine Lampe, die abends das Lesen erlaubt. Die kalten harten ungepolsterten Küchenstühle bieten wirklich keine Gemütlichkeit! Dass
der Toilettendeckel neben der Toilette steht oder das Wasser der
Badewanne nicht den Weg über die Duschbrause nimmt, kann uns gar nicht
mehr erschüttern. Es wird uns viel Geduld abverlangt. Einmal versuchen wir, dem Ghetto zu entkommen, in dem wir eine Inselrundfahrt mit unserm Mietwagen unternehmen. In
der Hoffnung, dass sich die Landschaft zum Besseren ändert, fahren wir
zig Kilometer Kurven um Kurven, Serpentinen und Kehren durch die triste
und trockene Bergwelt, in der es kaum Vegetation gibt. Es
bietet sich unterwegs keine Gelegenheit, die uns reizen könnte, die
Fahrt zu unterbrechen, um zu Fuß einen kleinen Ausflug zu unternehmen. Die Ortschaften wirken arm, hässlich und öde. Landwirtschaft und Gartenbau sind industriemäßig unter riesige Plastikplanen verbannt. Die
große und hektische Hauptstadt Las Palmas kann uns ebenfalls nicht zum
Aussteigen reizen, zumal es wohl auch sehr problematisch wäre, einen
Parkplatz zu finden. Um
ja nicht unsern Abflug zu verpassen, stehen wir am Sonntag schon
anderthalb Stunden früher auf, als es eigentlich nötig wäre und sind
froh, dass wir den Flugplatz ohne Stau erreichen. Einmal Gran Canaria reicht uns! Am
interessantesten waren noch die Flüge: Lissabon, die spanische Sierra
Morena, das kastilische Scheidegebirge sowie die verschneiten Pyrenäen
und die französische Metropole Paris aus 10.000 m Höhe zu bewundern,
ist doch auch etwas. Fazit: Bleibe im Lande und warte auf den deutschen Frühling!
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